Vom Satteln - Teil 1

Vom Satteln - Teil 1

Vom Satteln - Teil 1

Was für einen Sattel braucht mein Pferd?

Die Frage klingt vorerst irgendwie einfach. Zuerst einmal muss man wissen, was man reiten will. Dressur. Vielseitigkeit. Tölt. Rennen. Springen. Western. Das ist schnell entschieden, richtet es sich doch nach der reiterlichen Vorliebe des Sattelkäufers. Die zweite Prämisse richtet sich – etwas uncharmant aber dennoch wichtig – nach dessen Kleidergröße. Ein Hintern, so schön er auch sei, den eine Hose in Größe 42 kleidet, wird unmöglich auf einen Sattel passen, der gerade mal 16 Zoll Platz bietet. Muss er auch nicht, denn es gibt Sitzflächen bis in den 22 Zoll-Bereich. - Nicht deshalb, weil Reiterdeutschland per se über eine kurvige Anatomie verfügt, sondern einfach, weil die Menschen in Deutschland groß sind.

Der Durchschnittsdeutsche hat eine Körpergröße von 178 cm, die Durchschnittsdeutsche von 165 cm. Und rund um 170 cm Körpergröße ist zu erwarten, dass der Reiter auch über längere Beine verfügt. Die Länge der Oberschenkel ist für die Wahl der Sitzgröße mindestens ebenso wichtig wie die Kleidergröße, wenn nicht sogar wichtiger! Denn wenn der Oberschenkel zu lang ist, ragt er u. U. über das Sattelblatt hinaus, stößt mit dem Knie gegen die Pauschen oder der Reiter versucht, so weit wie möglich hinten im Sattel zu sitzen, um eben diese Probleme zu entschärfen. Das sorgt dann für punktuellen Druck an einer Stelle, die dafür gar nicht ausgelegt ist. Ab 1,70m Körpergröße kann man daher davon ausgehen, dass man eine 18“-Sitzfläche benötigt, selbst, wenn der Hintern bequem in 16“ passen würde. Dies ist aber maßgeblich von der Sitzkonstruktion des jeweiligen Sattelmodels abhängig. Wo man bei dem einen Hersteller mit einer Sitzgröße von 17“ auskommt, benötigt man bei einem anderen Modell oder bei einem anderen Hersteller eine 18“.  Der Oberschenkel muss also auch in den Sattel passen, nicht nur der Reiterhintern. Aber die vorhandene Vielfalt auf dem Sattelmarkt macht hier eine passende Auswahl durchaus nicht zur schwierigsten Aufgabe.

Ein echtes Problem ergibt sich nämlich, wenn man nun die Größe der Sitzfläche mit der Größe der Fläche, die der Pferderücken für den Sattel bietet, in Einklang zu bringen versucht. Beim Deutschen Warmblut dürfte es hier in der Regel wenig Schwierigkeiten geben, ein Quarterhorse oder ein Araber kann jedoch schnell im Rücken zu kurz für den Sattel der ersten Wahl werden. Reitet man womöglich noch ein Pony wie einen Dülmener, Haflinger, Norweger oder gar ein Islandpferd, dann wird es mit der ersten Wahl so gut wie gar nichts und die Suche richtet sich plötzlich nicht mehr nach dem Lieblingsmodell, sondern einzig nach der Sattellänge.

Dass dies keine Marotte zu vorsichtiger Reiterinnen mit Übergewicht ist, sondern durchaus ein Problem, was viele Reiter – auch in Normalgrößen – haben, erklärt ein Blick auf die Anatomie des Pferdes.  Der Körper des Pferdes wurde nicht dafür geschaffen, Lasten zu tragen. Dass wir als Reiter die Verantwortung haben, das Pferd langsam und gründlich aufzubauen, damit es muskulär in der Lage ist, uns zu tragen, gehört zu den Grundfesten der Ausbildungsskala und man sollte meinen, dass dies den meisten geläufig ist. Dass hierzu jedoch auch ein passender Sattel gehört, eigentlich auch.

Doch: wann ist ein Sattel eigentlich „passend“? - Weiter geht es in Teil 2.